Es regnet. Das ist eigentlich das Motto meines Sydney Aufenthalts. Sydney ist eine tolle Stadt, keine Frage. Allerdings wurde mein Wunsch, noch einen Strandurlaub einzulegen bevor es in den deutschen Winter zurueckgeht, nicht erhoert.
Ich komme in Sydney an. Da ich fuer meinen Flug um 3h morgens aufstehen musste, 2h am Flughafen auf mein Shuttle zum Hostel und im Hostel 2h auf Zutritt zu meinem Zimmer warten muss, es in Sydney einfach nur schwuel-heiss ist und erste Gewittewolken aufziehen, ist meine Stimmung richtig im Keller. Dazu kommt noch Heimweh nach Neuseeland. Das Hostel liegt mitten im Rotlicht- und Diskoviertel. Es faengt an zu regnen. Ich mag Sydney nicht.
Am naechsten Tag ist alles besser. Joggen mit Sebastian (meinem Kommilitonen aus Wellington, der in Sydney 3 Monate verbringen wird) zum Opera House. Dann kommt auch Anne aus Melbourne angeflogen. Wir erkunden die Oper im Rahmen einer Fuehrung und loesen einige unserer abertausenden Voucher fuer Freigetraenke ein. Es regnet.
Der naechste Tag verheisst Strandwetter: ab zu Bondi Beach! Wir laufen entlang vieler toller Straende mit vielen gutaussehenden Menschen zu Coogee Beach.
In der Wildlife World warten Koalas und Kaenguruhs auf uns. Hier die Geschichte, wie das Kaenguruh (Kangoroo) zu seinem Namen kam: Die Europaer kamen nach Australien und wollten die einheimischen Namen fuer Pflanzen und Tiere erfahren. So fragte dann der Europaer den Aborigine, wie denn das huepfende Tier hiesse. Der Aborigine sagte: Kangoroo. Somit wurde das huepfende Tier als Kangoroo eingetragen. Nachher stellte sich heraus: der Aborigine hatte den Europaer nicht verstanden und hatte das auch gesagt. Kangoroo heisst naemlich: ich verstehe Dich nicht!. Somit heissen Kaenguruhs eigentlich: ich verstehe Dich nicht! und nicht: das huepfende Tier. Eine weitere (fuer mich neue) Information: Kaenguruhs leben eigentlich auf Baeumen! Es gibt immer noch kleine Baum-Kaenguruhs. Die Land-Kaenguruhs haben sich erst entwickelt nachdem ihre natuerlichen Feinde auf dem Boden verschwunden waren.
Es regnet. Wir gehen ins Aquarium. Das Krokodil verweigert sein Essen. Die Haie sind toll!
Es regnet. Wir
fahren in das In-Viertel Newtown. Wir gehen in eine Vorstellung des Grand
Cirque im Opera House. Schlangenmenschen, Durch-Reifen-Springer, Teller-Dreher
und vieles mehr! Einen kurzen Unterschlupf gewaehrt uns ausserdem das Museum of
Contempary Art. Abends findet das Sydney Festival mit einem Lichtspektakel im
Hafen statt.
Es regnet. Wir gehen auf einen Flohmarkt in Glebe. Abends gehts in die Clubs mit Sebastian und Sina. Das ist auch der einzige Weg guten Schlaf zu bekommen, da um unser Hostel jeden Abend Partylaerm bis 5h morgens ist und ich so auf 3-4h Schlaf pro Nacht komme.
Hm? Die Sonne scheint??? Yeah! Wir fahren nach Bondi Beach und schwimmen im Meer! Endlich!!!
Es regnet. Fuer unseren Ausflug zu den Blue Mountains war die Wettervorhersage gut. WAR! Wir fahren zu den beruehmten Blue Mountains, einer Landschaft mit blauschimmernden Waeldern. Blau wegen der verdampfenden Oele der Eukalyptusbaueme. Wir schauen auf die Bilder im Ausflug-Prospekt. Denn es ist so regnerisch, dass wir gerade mal 20m weite Sicht haben. Es ist kalt, aber der Bus warm und der Tourguide nett. Der Weg zu den wilden Kaenguruhs ist ueberflutet und nicht passierbar. Auf dem Rueckweg nehmen wir das Boot Richtung Sydney Hafen. Es regnet.
Der Sonnenschein lockt uns nach Manly, einem Stadtteil gegenüber der City. Dort könnten wir es doch glatt noch länger als einen Tag aushalten, wenn wir die Zeit hätten...
Anne verlässt mich und ich strecke mich am Coogee Beach noch einmal aus. Mein letzer Abend in Sydney beschert mir wunderschöne Sonnenuntergangsstimmung, Open-Air-Kino, eine laue Sommernacht und Musikfetzen, die vom Björk-Konzert vor dem Opera House herüberwehen. Ein perfekter Abschied. Jetzt mag ich Sydney doch ganz gerne.
Hm, es könnte jetzt der Kommentar kommen, der ein grandioses Jahr zusammenfasst. Ich denke, meine Einträge sagen genug aus. Schade, daß es vorbei ist! Nicht eine Sekunde Reue, daß ich es gemacht habe! Daher ein dickes Danke an meine Eltern, die es mir ermöglicht haben, meinen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen!
Nach all diesen traurigen Abschiedsfeiern in meiner letzten Woche in Wellington (ich werde zwar noch 2 Tage dort verbringen, aber zum Verabschieden kaum Zeit haben) fuhr ich mit der Faehre auf die Suedinsel. Schon wieder? werdet ihr fragen. JA! Weil es dort einfach unglaublich schoen ist. Wenn ihr die Bilder seht, werdet ihr nicht mehr fragen. Philipp holte mich ab und wir fuhren nach Kaikoura. Dort dachten wir eigentlich an Delphinschwimmen. Bei mir hatte es ja nicht geklappt im April und Phillip hatte es noch nie versucht. Allerdings war es graugraugrau in Kaikoura und nach einer Nacht in einem ollen Hostel und ohne Wetteraenderung beschlossen wir nach Hanmer Springs weiterzufahren. Dort gibt es ein Thermalbad mit Temperaturen bis 41 Grad. Das war auch unser erstes Ziel: hinein ins warme Wasser! Am naechsten Tag liefen wir einen Berg hoch zu einem Wasserfall. Nichts berauschendes, aber ein gutes Aufwaermtraining fuer kommende Wanderungen. Fuer den naechsten Tag hatte sich Stef angekuendigt und wir nutzten die Zeit bis dahin fuer die Suche nach dem perfekten Lookout auf Hanmner und Umgebung.
Wir machten einen kurzen Zwischenstop in Christchurch, den ich, da Boxing Day war, dazu nutzte, eine NEUE KAMERA zu kaufen. Ich kann echt nicht mit ansehen, wie andere Leute Fotos machen und ich steh daneben ohne Kamera. Am Boxing Day gibts vieles fuer die Haelfte, da die Leute nach Weihnachten wieder Geld in der Tasche haben und so konnte ich auch einen guten Deal abgreifen. Waehrend der halben Stunde, die ich in der Schlange zur Kasse stand, hatte ich endlich ein Gefuehl von Weihnachten, das mir die ganze Zeit ueber vorher gefehlt hatte :-)
Weiter gings nach Twizel in der Naehe von Mt Cook. Wir fanden ein suesses Hostel auf einer Farm mit Blick auf die Berge und supernetten Gaesten. Ein Maedel stellte fest, dass sie Stef schon aus Wellington kannte. Sie hatte Stef vor 1,5h in einer Bar gefragt, ob sie ihr Handy benutzen kann. Ich stellte fest, dass ich sie aus dem Fitnessstudio kenne. Andere Gaeste waren aus Wellington oder Umgebung. Es war wirklich witzig, Verbindungen zu entdecken.
Unser Plan war eine Wanderung auf Ben Ohau, der "windige Berg" am Lake Ohau. Da Stef nicht nach dem Weg fragen wollte, fuhren wir erstmal irre lang zu dem Start des Tracks. Der Weg fuehrt auf einen Bergsattel und weiter auf die Spitze. Auf dem Sattel angekommen - oder auch hochgekaempft gegen den Wind - fing es an zu Regnen und wir mussten den Rueckweg einschlagen. Den Rest des Tages verbrachten wir mit den anderen Hostelgaesten lesend im Wohnzimmer mit offenem Kamin.
Auf dem Weg nach Queenstown dann stoppten wir bei den Clay Cliffs. Stef war total begeistert, da sie aehnliche Felsen schon in den USA gesehen hatte.
In Queenstown organisierten wir schnell unsere bevorstehende 5 Tages Wanderung. Ich lieh mir Wanderstoecke und Rucksack aus und kaufte mein Mittagessen fuer die naechsten Tage: One Square Meal. Ein Muesliriegel mit 30% von allem, was der Mensch so taeglich braucht. Ok, aber nach 4 Tage kann man es nicht mehr sehen.
Unser Hostel war das gleiche, in dem ich mit Anne schon war: Kinloch Lodge. Unser Track sollte in Glenorchy starten und in Paradise enden. Stef wollte aber schon vorher ins Paradise. Wir sahen Schafe und Berge. Nachdem wir Paradise gesucht, jedoch leider nicht gefunden hatten, verbrachten wir den ganzen Abend mit Packen.
Und jetzt der Hoehepunkt meine letzten Suedinselreise! Nicht zu toppen! Einmalig und unglaublich!
Der....~Trommelwirbel~...REES DART TRACK!!!
Meine kurzen Kommentare hierzu:
SUPER TRACK
(nicht zu einfach - Flussueberquerungen, supersteiles Hoch- und Runterlaufen -,
wenige Touristen unterwegs - fast nur Kiwis, hab nur einen Deutschen getroffen! - ,
schoen lange - 6-8h pro Tag laufen -,
staendig grandiose Aussichten - man laueft durch Graslandschaft anstatt durch Waelder -,
tolle Huetten mit top Ausstattung)
SUPER UMGEBUNG (man kann es nicht besser haben: schneebedeckte Berge, Fluesse, Wasserfaelle, Urwald, Gletscher, Keas)
SUPER LEUTE (wir haben uns auf den Huetten kennengelernt, endlos gequatscht, Schach gespielt, Sylvester zusammen gefeiert, zusammen gelacht und schliesslich Email-Adressen ausgetauscht)
Ich fuehle mich jetzt wie ein kleines Kind, das schreit: NOCHMAL
Wir erholten uns einen Tag in Queenstown und trafen noch zwei Mitwanderer zum Abendessen. Dann ging es wieder in Richtung Mt Cook, diesmal wirklich ganz nah an den Berg ran. Wir schlugen unser Zelt mit Sicht auf den Berg auf. Das ist schon etwas Besonderes, auch wenn es nachts furchtbar kalt im Zelt wurde. Wir bestaunten ihn bei Sonnenuntergang, in der Nacht und am Morgen und wurden mit einem wolkenlosen Himmel belohnt. Normalerweise ist die Bergspitze naemlich immer in eine Wolke gehuellt.
Nach einem Blick auf den Tasman Glacier ging es naeher an Mt Cook heran. Wir hatten von einem Mitreisenden einen Tip bekommen, wie man die beste Sicht auf den Berg hat. Die Wanderung fuehrt durch das Hooker Valley. Waehrend alle Touristen links vom Fluss laufen, schlugen wir den Weg rechts vom Fluss ein. Auf einmal fanden wir den Track nicht mehr. Stef meinte, er wuerde ansteigen und ginge in einiger Hoehe ueber dem Tal entlang. Wir standen vor einem entlosen Steinberg. Alles lose Steine, die irgendwann mal runtergekullert und dort liegengeblieben waren. Waehrend Stef einfach drueberwanderte, machte ich mir Gedanken ueber losloesende Steine und ueber mich, bedeckt von einer Steinlawine. Ich suchte mir daher meinen Weg am Rand der Steine. Ins Tal konnten wir nicht, da tausend stachelige Pflanzen im Weg waren. Irgendwann holte ich Stef dann ein, schob meine Gedanken an etwaige Gefahren an die Seite und wagte mich auch auf die Steine. Wir hatten eine tolle Aussicht auf Mt Cook von unserem sehr exklusiven Ausblick, die "regulaeren" Wanderer weit unter uns. Und ja, wir sind heile zurueckgekommen. Nur die stacheligen Pflanzen haben ihre Marken auf meinen Beinen hinterlassen. Wir haben dann entschlossen, dass der Track, den wir von oben dann auch sehen konnten, viel zu langweilig gewesen waere :-)
Nun bin ich in Christchurch in einem Hostel am Meer und geniesse es, ein paar Tage allein zu sein und zu organisieren. Ein paar Sachen, die ich nicht mehr brauche, sind schon bei der Heilsarmee. Meine 20kg sind sowieso gesprengt, aber es ist noch Wegwerf- bzw Recyclepotential unter all meinem Kram vorhanden.
Falls ihr Euch wundert: wann kommt sie denn endlich mal heim?
Ich fliege am 13.1. nach Sydney. Von dort am 24.1. nach Frankfurt. Ankunft in Frankfurt am 25.1. Meine Ma und meine Schwester holen mich ab, das find ich schon mal superklasse :-))
Tja, und dann bin ich wieder zurueck in Spenge. Heyho! Oder so...;-)
Mit Fotos-Hochladen wird es eventuell bis dahin dauern, sorry.
...wuensche ich allen ein
FROHES UND BESINNLICHES FEST
und
EIN GESUNDES UND GLUECKLICHES NEUES JAHR!!!!
Ich bin zur Zeit in Hanmer Springs und werde morgen zu einer 2-Tages Wanderung im Lewis Pass aufbrechen. Danach planen Stef und ich Wanderungen um Wanaka (2 Tage: Trip zu Mt Aspiring) und Queenstown (4 Tage Rees-Dart-Track) bevor wir dann ueber Mt Cook zurueck nach Christchurch fahren. Von dort gehts mit dem Flieger zurueck auf die Nordinsel.
Ich darf mich jetzt meinem Namen offiziell LL.M. anhaengen! Das Ziel 2007 ist also geschafft :-) Meine formelle Graduation bestand aus einem 2 Tages Programm.
Am Tag meiner Rueckkehr aus dem Urlaub musste ich zunaechst meinen Talar und Hut in der Uni ausleihen. Wir hatten schon Monate vorher die Ausleihformulare ausgefuellt. Unter anderem wollte die Uni wissen, welche Kopfgroesse man hat. Tja, so etwas steht nicht im Reisepass. Also hiess es: ausmessen! Die anderen Annes, Andrea und ich hatten somit eine nette Abwechslung zu unseren Uni-Arbeiten indem wir in unserem Uni-Computerraum ein Geschenkband um unsere Koepfe wickelten, um es nachher mit Lineal abzumessen. Soviel also zu den Ausleihvorbereitungen. Mein Talar selbst war jedenfalls im besseren Zustand als die Staatsanwaltsroben, die ich im Referendariat tragen musste. Dazu gabs noch eine Kapuze in hellblau. Die Farbe steht fuer unsere Jura-Fakultaet. Die Kapuzenvarianten sind "nur hellblau" fuer Master, "hellblau mit weissem Fell" fuer Bachelor und "hellblau mit weissem Rand" fuer Honours (das sind die Bachelor Studenten mit den besten Abschluessen). Mein Hut passte auch. Am liebsten waere ich in dem Aufzug gleich nach hause gelaufen.
Am ersten Tag der Graduation wurden wir Master of Law Studenten zunaechst von unserer Fakultaet zu Tee und Haeppchen eingeladen. Wir waren nur ca. 8 Leute, da andere Studenten entweder schon wieder im Heimatland weilten oder noch nicht fertig waren mit ihren Uni-Arbeiten. Eigentlich benoetigt der Abschluss ja ein Jahr und nicht 9 Monate, aber man kann die Kurse auch in zwei Trimester statt drei packen. Nach einer kurzen Rede stuerzten wir uns alle auf das Essen und kamen so zufrieden und satt mit anderen Juraabsolventen fuer ein Foto vor der Law School zusammen.
Der Strassenumzug aller Absolventen startete auch an der Law School und so sah man 100e von frisch gebackenen und stolzen Absolventen mit ihrer Familie dort warten. Der Umzug fuehrte durch die Hauptgeschaeftsstrasse - fuer den Verkehr gesperrt - zum Rathaus. Wir liefen hinter dem Schildtraeger fuer Jura hinterher. Die Ankuendigung der einzelnen Fakultaeten per Schild war sehr praktisch, da die Strassen gesaeumt waren mit Familien, Freunden und Kollegen der Absolventen, die darauf warteten, dass diejenige Person vorbeikommt. Dann wurde geklatscht, gejubelt und es wurden Blumenstrauesse ueberbracht. Meine Mitbewohnerin Kate wartete vor der Apotheke, in der sie arbeitet, und klatschte fuer mich, yeah! :-) Aber ehrlich: das waren sehr bewegende Momente fuer mich waehrend dieses Umzugs! Die ganze Stadt honoriert, dass Du etwas geleistet hast und dass ein Uni-Abschluss etwas besonderes ist. Gerade fuer die Leute mit einem ersten Abschluss ist es wichtig zu sehen, dass sie ernst genommen werden. Sehr schade, dass so etwas nicht zur deutschen Tradition gehoert!!!
Wir kamen dann vor dem Rathaus zusammen, wo die Buergermeisterin eine Rede hielt. Zum Schluss gab es Konfetti aus der Kanone und wir feierten uns selbst mit Sekt.
Am naechsten Tag eilten Stef und ich mit unseren Roben durch die Stadt zur Kongresshalle am Rathaus. Wir fuehlten uns richtig gut, da uns alle Passanten anschauten. Vor dem Saal wurden wir dem Alphabet nach aufgestellt, vor mir ging eine in rot gekleidete LL.M. Absolventin. Warum rote Robe? Sie hatte ihren Doktor schon in einem anderen Fach gemacht und erschien mit ihrer Doktorwuerdenrobe. Unsere Huete mussten wir allerdings zunaechst in den Haenden halten, da sie erst aufgesetzt werden duerfen, wenn der Zeremonienmeister erklaert: hiermit seid ihr graduiert. Ist also ein bisschen wie Kirche. Wir Absolventen sassen genau vor der Buehne, die geladenen Gaeste (sprich Familie, Freunde) im oberen Rang. Auf der Buehne sassen die Vertreter der jeweiligen Fakultaeten, alle in ihren speziellen Doktor-, Professor- und was es sonst noch gibt- roben. Manche davon aus anderen Laendern.
Nach einem Haka
und ein paar Reden wurden wir dann endlich graduiert! Es ging zur Verleihung der Abschluesse: zunaechst die Doktoren mit kurzer Praesentation der jeweiligen Doktorarbeit waehrend die Uni-Mitarbeiter zur Anerkennung der Leistung aufstanden. Schliesslich waren wir an der Reihe. Man sitzt da und guckt sich die 50 Leute vor einem an. Denkt: nee, so werd ich nicht auf die Buehne laufen, nee, so werd ich nicht die Hand schuetteln. Dann ist man auf einmal selbst dort und weiss nichts mehr. Ich klammerte mich an mein Zertifikat und konnte nicht mehr aufhoeren zu grinsen. Nach dem Singen der Neuseeland Hymne, des "Gaudeamus" und einem kurzen ungeplanten Haka aus den Reihen der Zuschauer landeten wir im Foyer, wo sich die im Saal getrennten Gruppen zum Sturm auf das Buffet mischten.
Das Werfen von Hueten ist uebrigens nicht Tradition in Wellington wegen Verletzungsgefahr. Stand auch eingenaeht in unsere Huete. Wir haben uns nicht dran gehalten.
Wie man sich denken kann wurde dann der restliche Tag feuchtfroehlich mit Sekt begossen. Es bedeutete auch ein Zusammenkommen mit Freunden fuer ein letztes Mal.
Mit dem Flug von Auckland nach Christchurch wechselte ich auch meine Reisepartnerin. Belinda flog mit ihrem Freund nach Fidji und Anne wartete in Dunedin darauf, dass ich auf die Suedinsel komme.
Die Flugzeugcrew war sehr entspannt und witzelten die ganze Zeit am Mikrofon rum. Ich aergerte mich nochmals, dass die Kamera kaputt war, da ich von meinem Platz aus eine super Sicht auf die Inseln hatte.
In Christchurch wurde ich von Daniela und Sascha abgeholt und zu lecker BBQ eingeladen. Das war mal eine tolle Abwechslung zum Hostelkochen und mein erstes BBQ seit ueber 1 Jahr. Ich hab dementsprechend zugelangt :-)
Am naechsten Tag gings mit dem Bus nach Dunedin. Der unspektakulaere Ritt bei 28 Grad und Sonnenschein dauerte 7 Stunden, zum Glueck hatte ich die Rueckbank fuer mich alleine und den National Geographic an meiner Seite. Anne begruesste mich in Dunedin mit einem vollen Auto: sie hatte schon Proviant eingekauft und reiste mit 2 Koffern, mehreren Tueten und Rucksack rum. Das ist der Luxus eines eigenen Autos :-)
Wir fuhren in die Catlins, der suedlichsten Region auf der Suedinsel. In Purakaunui fuehrte uns unser Weg zu den Gluehwuermern am Ufer des Purakaunui Wasserfalls. Da es stockdunkel war, liefen wir mit Taschenlampen umher. Mit dem Ziel, ein Wuermchen zu fotografieren, liefen wir die Uferboeschung nach dem perfekten Bild ab: Auf einmal rutschte ich einen Abhang runter und stand mit meinen Fuessen im Wasser! Der Fluss...ich hatte irgendwie den Abgrund nicht gesehen. Abgesehen vom Kontakt mit Dreck und Wasser war bei mir aber alles in Ordnung. :-)
Weiter gings dann Richtung Curio Bay, wo der Lonely Planet uns Seeloewen, Delphine und Pinguine, ja sogar Wale!, versprochen hatte. Hm. Ich bin diese Bay abgelaufen und habe NICHTS gesehen. Cool waren dafuer der McLean Wasserfall und die Cathedrale Caves, die nur bei Ebbe zugaenglich sind.
Anne machte mir dann abends ein supertolles Geschenk: ich bin jetzt in Besitz eines Greenstone-Anhaengers! Solch ein Anhaenger hat eigentlich jeder Kiwi, zumindest Maori, und darf nicht selbst gekauft werden, sondern muss ein Geschenk sein.
Wir verliessen die Catlins in Richtung Nordwesten und quartierten uns in Te Anau ein. Ein Tag verbrachten wir im Milford Sound und liefen auf den Key Summit (919m). Der Berg ist Teil des Routeburn Tracks, allerdings nur ein Seitenweg, den ich damals nicht mit Vanessa gewandert bin. Von dort hatten wir eine hervorragende Sicht auf die Umgebung.
Abends brachte der Zufall Esther, mit der wir in Wellington studierten hatten, in unser Hostelzimmer. Mal wieder ein Zeichen dafuer, wie klein NZ ist...
Zum Doubtful Sound ging es am naechsten Tag. Die Wolken hingen grau und tief, der Wind war ziemlich stark. Nicht gerade das perfekte Wetter fuer einen Kayakausflug. Der Doubtful Sound ist schwieriger zu erreichen als der Milford Sound und ist daher weniger touristisch erschlossen. Es ging zuerst mit dem Boot ueber Lake Manapouri. Der Wind peitschte und wir sahen Regenboegen. Wieder an Land zogen wir Neoprenanzuege und Regenjacken an. Es ging mit dem Bus weiter (durch den Regen). Am Sound stiegen wir auf ein weiteres Boot, das die Kayaks mittransportierte. So konnten wir zunaechst mit dem Boot an windgeschuetztere Stellen fahren, damit das Kayaken nicht zu gefaehrlich wird. Leider war das Boot selbst nicht windgeschuetzt und so froren Anne und ich uns den A... ab. Es gab auch keine Moeglichkeit sich durch Bewegung aufzuwaermen, da wir 10 Personen uns staendig selbst im Weg standen.
Auch bei diesem Trip hiess es vorher: alles ist moeglich: Pinguine, Delphine, Robben. Wir hatten kein Glueck. Was jedoch total klasse war, waren die Wasserfaelle, die der Regen schuf. Dort, wo vor einigen (trockenen Tagen) nur Rinnsale waren, schoss das Wasser die mehrere 100 m hohen Berge runter. Sehr faszinierend. Und dann das Unglaubliche: nach einigen Minuten in den Kayaks kam die Sonne raus, die See wurde ruhig und wir hatten eine perfekte Zeit auf dem Wasser!